…und ich frag mich ständig, wo sie geblieben ist!

Dabei bin ich verdammt gut darin, all meine „Baustellen“ zu koordinieren. Das Leben wird schliesslich nicht leichter, wenn man immer mehr Kindern zur Welt bringt.
Ich trainiere meine Effektivität seid 16 Jahren und koordiniere zur Zeit meine beruflichen Termine, die Termine meines -zugegeben bereits sehr selbstständigen- Sohnes, die meiner zwei Kindergartenmädels und die terminliche Abstimmung mit meinem Mann.
Ich weiß, ob es effektiver ist erst die Flaschen weg zu bringen und dann zum Kindergarten zu hetzen oder ob ich den Einkauf mit oder ohne Kinder machen sollte. Ich kann zeitgleich all das bedenken und effektiv entscheiden, während ich noch letze Absprachen am Handy erledige (Headsets sind eine großartige Erfindung!), Klienten zurück rufe, Seminartermine festlege oder mich einfach nur mal schnell bei meine Mutter erkundige, wie es ihr geht. Alles in allem bin ich wirklich gut darin alle meine „Baustellen“ unter meinen Hut zu bringen.

Nur die Zeit für mich und für das was mir gut tut, die geht irgendwie immer ab.
Um zum Beispiel endlich mal mit meiner Nachbarin den lang ausstehenden Sliboviz zu genießen. Mir von ihr in ihrem Schrebergarten unter dem Apfelbaum was aus ihrem Leben erzählen zu lassen. Oder irgendwas anderes zu tun, was völlig ineffektiv wäre, mich aber für den Moment glücklich machen könnte. Dafür finde ich so gut wie nie Zeit. Bei allem, was mich einfach nur glücklich machen könnte, antworte ich immer „erst muss ich noch… und dann..“

Kurz vor Weihnachten musste ich jetzt sehr viele „erst noch und dann..“ gegen ein großes „hätte ich doch…“ eintauschen.

Die Zeit auf dem Flur gehört meiner Nachbarin und sie wird sie nicht mehr lesen. Und ich weiß es ja nicht – habe mir ja leider nie was unter dem Apfelbaum aus ihrem Leben erzählen lassen – aber ich glaube, sie hat sich nichts vergeben. Ich stelle mir vor, sie hat aus dem Vollen gelebt, hat wie wild gearbeitet, wild geliebt und wild genossen. Sie war voller Leben und voller Kreativität! Und das will ich endlich auch und zwar nicht erst nach dem ich irgendwas anders erledigt habe.

GUT!
…und wer verdient dann mein Geld, wer holt die Kinder von der Kita und wer macht dann meine Telefonate?

Immer wenn ich mal wieder darüber stolpere, dass ich vergänglich bin, nehme ich mir vor diesmal ändere ich mich, diesmal lerne ich mich so zu organisieren, dass ich alles haben kann. Nur um dann bald festzustellen- nö kann ich eben nicht!
Ich kann nicht alles haben, ich habe nur 24 Stunden und die Zeit scheint zu rennen.
Am Ende habe ich wieder nicht unter dem Apfelbaum gesessen und „die Zeit“ meiner Nachbarin wartet bei uns im Hausflur vergeblich auf ihre Abonnentin.

Ich weiß, wie das mit den Vorsätzen ist – die halten nicht!
Aber ich weiß, was hält – Taten und Handlungen, die Gewohnheiten schaffen!

Also werde ich mir dieses Sylvester nichts für das kommende Jahr vornehmen. Ich werde handeln, ich werde Tatsachen schaffen, die mich unter den nächsten Apfelbaum bugsieren und ich will mich daran gewöhnen möglichst selten „ich muss erst noch… und dann..“ zu denken.

Ich weiß! Auch das habe ich schon oft gesagt.
Warum folgen meine Prioritäten nicht meinen wahren Werten?
Was sind meine wahren Werte?

Vielleicht Handel ich ja nach meine wahren Werte, wenn ich alles tu um so produktiv und effektiv wie irgend möglich zu werden.
Kann sein.
Oder ich handle gegen meine wahren Werte, weil ich Angst habe.
Angst zu scheitern. Beruflich, privat, als Mutter, in meiner Ehe, als Coach, als Trainer, als Freundin, als Erwachsene habe ich Angst, zu scheitern.
Und so habe ich für die wirklich wichtigen Dinge nur Verschieberitis übrig.
Das mit der Angst, das muss ich jetzt endlich mal ändern…
Nachtrag:
Ich habe die Kolumne nicht schon vor Neujahr losgeschickt, sondern erst heute. Aus gutem Grund. Ich hatte Wichtiges zu tun! Ich habe die Zeit mit Freunden und mit meinen Kindern verbracht.