IMG_0100_ng-fotografie_klein

Warum Anpassung einfach nur langweilig ist

Ich war gestern Abend auf einer Unternehmerveranstaltung, die sehr spannend klang und unglaublich langweilig war.
Es wäre vereinfachend zu beschreiben, dass meine Erwartungen einfach nicht erfüllt wurden, ich enttäuscht war und deswegen früher gegangen bin. Das war zwar auf jeden Fall so. Und ich war nicht die Einzige die sich tödlich gelangweilt hat.
Die Augen aller anderen Damen sind mir und meiner Begleitung neidisch gefolgt, als wir uns irgendwann raus geschlichen haben.

Es war eben nicht nur, dass mir ein wesentlich komplexerer Blick auf das Thema „Erfolg und seine Wurzeln in unserer Kindheit“ versprochen wurde. Es war vor allem der hohe Grad der Anpassung an das, was die meisten Anwesenden (ausschließlich Damen) vermutlich positiv honorieren würden, was den Abend inhaltlich so dröhnend langweilig gemacht hat.

Offenbar hatte man sich vorher Gedanken gemacht!
Die wichtigste Botschaft des Abends war so gestaltet, dass so gut wie keine Kontroverse entstehen konnte.
(Also in meinem Kopf schon. Und die gähnende Langeweile in mir wurde letztlich von aufkeimendem Ärger über diese vereinfachten Erklärungen der im wahren Leben doch sehr komplexen und individuellen Zusammenhänge, verdrängt.)
In der Darbietung des Themas jedoch kein klitzekleines bisschen. Es wurden sehr einfache Aussagen gemacht, die durch die Kompetenz der Sprecherin zu Wahrheiten stilisiert wurden und alle Beteiligten haben begeistert mit dem Kopf genickt.

Während sich um mich herum die Damen einen Filterkaffee nach dem anderen eingossen, in der Hoffnung,  dass ihnen dann nicht der Kopf auf die edle Tischplatte knallen würde, habe ich mich in stille Empörung gerettet.
Ich vermute, mein inneres System hat systematisch nach den inhaltlichen Unstimmigkeiten gesucht, damit ich auf keinen Fall einschlafe. Irgendwie musste ich ja noch den Weg nach Hause schaffen.

Hätte nur eine der beteiligten Damen einen einzigen kontroverseren Gedanken geäußert, es wäre eine Erlösung gewesen.
Vermutlich war dafür allerdings das Thema zu ernst!
Denn ob und wie wir unsere Kinder in den ersten 3 Lebensjahren betreuen, darüber können Frauen sich sowas von in die Haare kriegen. Bei dem Thema scheint es merkwürdigerweise um Leben und Tod zu gehen. Da verliert sogar die Hanseatin schon mal ihre Toleranz für andere Lebensmodelle.
Mit dem Thema könnte man so eine Veranstaltung richtig aufmischen!
Und ich glaube, genau das haben die Veranstalterinnen mit hanseatischer Contenance erfolgreich verhindert.

Blöd nur, dass sie so auch jede Form von Interesse am Thema ausgeschaltet haben!
Es gibt nur wenig Langweiligeres, als das Ausschließen von Kontroversen!
Erst Reibung erzeugt Spannung! Das ist im Leben, wie in der Physik!
Der Mut zur Kontroverse macht sichtbar und wieder erkennbar und ist am Ende spannend!

Ich gebe zu, der Grad der Kontroverse sollte dem Anlass angepasst sein und Angemessenheit ist eine Herausforderung, die Fingerspitzengefühl verlangt.
Sich jede Kontroverse zu verbieten ist jedoch ein Garant für tödliche Langeweile!