Über Fehler singen lernen – VOR ALLEM, wenn’s weh tut

Ein Freund von mir hat uns zu seinem Geburtstag ein Geschenk gemacht.
Er hatte ein junge Frau eingeladen, die für uns in seinem Wohnzimmer gesungen hat. Ihr Name ist Miu, sie singt toll und  spielt weniger toll Gitarre. Da sie ohne Gitarristen da war haben wir beides hören können. Ihre schöne Stimme und ihre eher weniger guten Gitarrenkünste.
Trotzdem konnte sie uns mit Leichtigkeit bannen, in diesem winzigen und intimen Setting. Gerade, weil sie nicht besonders gut Gitarre spielt…

Und einer Ihre Songs hat dieses Phänomen sogar erklärt.
Eben erklärte sie uns noch charmant, was genau sie auf der Gitarre nicht hinbekommen hat. Und schon war sie beim Thema Fehler machen. Eine perfekte Überleitung zu ihrem nächsten Lied.
Das Lied ging – klar! – um die Liebe und zwar zu einem Kerl, den sie besser nicht auserwählt hätte. UND der Song handelt davon dass sie den Eindruck hat solche miesen Entscheidungen zu sammeln.
Klar, hatte sie nun die entzückten Lacher auf ihrer Seite.

Merkwürdiger Weise, sie kann es sich nicht erklären, sei genau dieser Song, ihr Bekenntnis zu „komplizierten Verhältnissen“ und dazu eine „Fehlermacherin“ zu sein, von ihrer Fanbase zum Song mit dem meisten Hitpotential gevotet worden.

Ich kann mir das erklären. Es gibt drei Gründe, warum Ihr Song so gut funktioniert:

Ersten – ihr Bekenntnis zu miesen Entscheidungen ist wirklich aufrichtig, es beschäftigt sie, treibt sie um und so ihre Kreativität an.
Zweitens – da es sie so sehr persönlich und emotional betrifft, macht sie sich beim Singen verletzbar. Das kann man spüren, wenn man sie hört, es betrifft sie und so auch mich als Zuhörer.
Drittens – sie erzählt sehr humorvoll vom „Fehler machen“. So macht sie uns auch noch vor wie sie mit ihren Fehlern umgeht. Eben mit viel Selbstironie, auch wenn es ihr hörbar weh tut, ihr Herz an den Falschen gehängt zu haben.
So schafft sie eine super Mischung für einen guten Song!

Die Formel kann man leicht auf alle Storytelling Herausforderungen übertragen:

Meine Betroffenheit – schafft Intensität; sowohl im Entstehungsprozess, als auch für die Zuhörer/Leser
Meine Fehler –  machen mich nahbar und helfen den Zuhörern ihre Fehler zu reflektieren
Mein Schmerz und der Witz – das mit dem Humor ist eigentlich ganz einfach, der Witz muss von etwas handeln was alle Zuhörer nachvollziehen können und was irgend jemandem weh tut, am besten mir!
Gemeinsam Lachen – ist eine Emotion und Emotionen sind die Turbolader für Lernprozesse

Meine Fehler und wie sie mich betreffen sind also die perfekte Würze, wenn ich mit meinem Storytelling was bewegen und verändern möchte.
Und wozu sollte ich Storytelling sonst nutzen …

P.S.: Wer sich Miu mal anhören möchte schaut einfach hier vorbei

https://youtu.be/1G_bWCh-Qoc
https://miu-music.de