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Wie ich von einem 16 Jahre alten Stress eingeholt wurde

Foto: Nina Grützmacher

Ein Klient sitzt vor mir und erzählt voller Begeisterung von seinem neuesten Coup.
Mein Herz rast und meine Ohren sausen, als hätte ich schwere Herzprobleme.
Ich kalkuliere wie lange das Wasser vor mir noch reichen wird, mein Mund ist ganz trocken. Draußen ist nieseliges Wetter und ich habe große Sehnsucht dort draußen zu stehen. Mir ist irre heiß. Nur aufstehen könnte ich jetzt nicht!
Weder um mir neues Wasser zu holen, noch um ein Fenster zu öffnen. Ich würde dabei so zittern, dass ich erklären müsste, was gerade mit mir los ist und das kann ich nicht.
Also bleibe ich sitzen und arbeite mit all den Techniken, die ich auch meinen Klienten beibringe, um mein vegetatives Nervensystem wieder zur Ruhe zu bringen.
Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. Ich atme durch, arbeite in Ruhe mit dem Klienten weiter und komme erst nach dem Coaching dazu mich zu fragen, was da eigentlich gerade los war.

Eine Menopausen-Attacke? – Ich weiß noch nicht was diesbezüglich auf mich zukommt, also eine mögliche Erklärung.
War ich zu offen und mein Klient irgendwie doch gestresst und ich habe mich seinem Stress angepasst?  – Zu Beginn halte ich das für die wahrscheinlichste Erklärung. Ehrlich gesagt war es jedoch die beste Ausrede mir mein Problem nicht anzugucken. Dem Klienten ging es sicht- und spürbar super!
Erst in der Analyse der Inhalte meines Gespräches mit dem Klienten fällt mir Stück für Stück auf, was mir passiert ist: Ich hatte einen Flaschback!

Vor 16 Jahren stand ich eines Morgens in der Schlange an einer Edeka-Kasse in Berlin-Wedding und wie mein Blick so über die Zeitungsauslagen direkt an der Kasse schweift, da traf mich der Schlag: „TV-Skandal“ und mein Foto daneben… auf ein, zwei, drei Titeln, darunter Bild und BZ…
Mir sind in der Sekunde die Knie fast weggeknickt. Das Ganze traf mich vollkommen unvorbereitet, denn eigentlich hatten wir alle unterschrieben, dass über die Serie nicht gesprochen werden darf.  Von da an, bis zum Ende der Ausstrahlung unserer Serie hatte ich mit diesem „Strom der Aufregung“ zu tun. Es gab Phasen da kam ich gut klar und solche, die waren eher schlimm. Dabei habe ich ausschließlich gute Erfahrungen mit Journalisten gemacht und leider viel Lehrgeld gezahlt in Sachen Eigen-PR versus Sender-PR.

Alles was damals passierte, hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass ich heute voller Spaß mache, was ich heute mache.
Und doch hatte mich genau diese Erfahrung 16 Jahre später für knappe 5 Minuten (die mir vorkamen wie 1 – 2 Stunden) voll im Griff, einfach nur weil mein Klient zwei Begriffe in einem Satz sagte, die ich seid damals nicht mehr in einem Satz, einem Zusammenhang, gehört hatte: „PR“ und der Name eines großen Medienunternehmens.
Schwupps, war ich wie gelähmt und beinahe wieder so erschüttert wie damals an der Edeka-Kasse.

So einen Öffentlichkeits-Stress hatte ich seid dem nie wieder und dass es so gewaltige Flashbacks gibt, hätte ich niemals gedacht. Beim drüber nachdenken und recherchieren finde ich es jedoch ganz plausibel.
Genau so würde ich ja auch in der Arbeit mit einem Schauspieler/ einer Schauspielerin zum Beispiel Panik abrufbar machen. Ein Wort, ein Gedanke, ein Bild als Trigger ankern und dann abrufen lassen, sobald es das Drehbuch braucht. Es klappt ja auch da großartig.
Ziemlich logisch, dass das auch im Leben funktioniert.

Doofer Weise brauchen wir im Leben für alles was passiert eine Erklärung. Wenn ich also plötzliches Herzrasen bekomme, möchte ich am liebsten sofort wissen, was los ist und wenn ich über das Ding mit den Triggern und den Auslöser nicht genug weiß, dann nehme ich eben das, was mir zuerst einfällt. Bei mir hätte das geheißen „Ach du Scheiße, jetzt ist sie da, die Meno-Pause und wird also echt sooo schlimm!“ Für wen anderes wäre es vielleicht „Hilfe, ich habe eine Herzattacke!“ gewesen. Beides nicht richtig und nur der erste Gedanke.

Wir haben leider die Neigung heftige Vorgänge in unseren Körpern falsch zu interpretieren. Einfach weil wir einen riesigen Bedarf haben sofort wissen zu wollen, was mit uns passiert.
Dazu gibt es eine tolle Studie über die Frage „Fühle ich mich angezogen von einer Person oder ist das Höhenangst!“. Wir können auch das schwer auseinander halten…
Der beste Trick im gedanklichen Umgang mit heftigen körperlichen Reaktionen ist:
sich erste Vermutungen aber keine Erklärung zu gestatten, solange nicht alle Details einer Situation durchdacht wurden.
Oder auch:
es kam nur einmal vor – was immer es war, ich weiß es eben nicht! Weiter gehts!

Wichtig ist aber, dass Du weißt, wie Du Dein vegetatives Nervensystem runter fahren kannst. Hier meine drei wichtigsten Tipps:

  1. Bauch raus – check ob Dein Bauch locker ist oder angespannt und sorg dafür, dass er entspannt und locker Deine Atmung zulassen kann und Deine Schultern möglichst gar nicht beteiligt sein müssen
  2. lass los – entspann bewusst Deine Arme und Beine, soweit die Situation es zu lässt
  3. interessiere Dich – wenn Du gerade im Gespräch bist, steig um Gottes Willen nicht aus, sondern steig besser richtig ein, sei an Deinem Gesprächspartner interessiert. Zum einen lenkt es Dich ab und je mehr Du wirklich im Kontakt mit jemandem bist, desto eher ist der Spuk vorbei