„Oh Mann, Du bist doch metabehindert!“

IMG_0589_ng-fotografie_kleinÄh? Was bitte? Ich??? Was bin ich? Behindert?
Ich hatte gerade etwas besonders Kluges über mich selber gesagt und wurde mit diesen Worten von meinem Kollegen grob unterbrochen!
In mir klaffte eine immense Kluft zwischen meinem Verstand und der aktuellen Situation.
Was bin ich? Wovon redet der? Was soll das denn bitte sein?
METABEHINDERT?

Ich kann hervorragend dafür sorgen, dass man mir nicht anmerkt was in mir vorgeht, wenn ich das nicht will.
Das ist mein Job!
Ich bringe Menschen bei, wie sie mit ihrem Auftreten in jeder Situation eine gute Figur machen.
Doch meine Begriffsstutzigkeit in diesem Moment sah sicher nicht besonders gut aus.

Bemüht gelassen und amüsiert habe ich also meinen Kollegen fragend angeschaut.
Und schon ist es nur so aus ihm herausgesprudelt:
Ich sei manchmal echt kein Mensch mehr! Immer schon auf der Suche nach einer „guten“ Lösung und dabei hätte ich doch gerade von einem wirklich schmerzhaften und akuten Moment aus meinem Leben erzählt und noch bevor ich fertig war, hätte ich schon weise und kluge Antworten parat gehabt, die aus dem Kommunikationsbilderbuch stammen könnten, nur leider würde das Ganze so klingen, als wenn ich von wem anderen sprechen würde, aber niemals von mir selbst!

AHA!
Ich verstand irgendwie immer noch nicht. Was bitte soll daran behindert sein, wenn ich weise und kluge Antworten finde?

Er probierte es noch mal und fügte, diesmal etwas sanfter hinzu, er wisse, dass es für mich wichtig ist diese Antworten zu finden. Nur würde er das Gefühl einfach nicht los, dass ich sehr oft so schnell sei, dass ich am Ende eigentlich gar nicht wissen könne, für welches Problem genau ich da eigentlich gerade meine Antworten gefunden hätte.

Ups…
Ich wusste sofort, dass er irgendwie recht haben könnte.

Ich bin schnell und – wie jeder andere Mensch auf der Welt – möchte ich unangenehme Gefühle lieber noch schneller beenden. Und mit den Techniken des acting for business kann ich das!
Doch was ist bitte die Behinderung an dieser großartigen Fähigkeit?
Genau deshalb freue ich mich doch ehrlich gesagt über das Tempo, mit dem ich Lösungen finde.
Ich schaute ihn also grinsend an und meinte, ich fände das spräche eigentlich für mich!

Tja und dann machte er mich auf die Fehlerquelle in meinem Konstrukt aufmerksam:
Ich würde mir nicht die Zeit nehmen wirklich heraus zu finden, was gerade mein aktuelles Problem ist. Denn dazu müsste ich es fühlen!
Ohne zu fühlen, könne ich zwar auf meine umfassende Erfahrung mit mir selber und meinen Themen zurück greifen, um in der Lösungsfindung eine recht hohe Trefferquote zu haben. Die Gefahr, dass ich dabei jedoch etwas Wichtiges übersehe, wäre verdammt hoch!
Noch viel wichtiger sei, dass er sich unwohl fühlen würde, wenn ich über mich selber so rede, als wenn es gar nicht um mich gehen würde. Und alles nur, damit ich ein doofes Gefühl nicht fühlen müsste, von dem ich doch eh wüßte, dass es zwar unangenehm ist, es mich aber auch nicht umbringen und ganz sicher vorbei gehen wird!

Ich habe das erstmal so stehen lassen.
Doch seitdem beobachte ich mich und natürlich kann ich mich vor unangenehmen Gefühlen in Sicherheit bringen. Wie gesagt es ist mein Job, anderen beizubringen wie man das so macht, dass es keiner merkt.
Wieso hat mein Kollegen es mir dann so heftig angemerkt? Sogar so stark, dass es ihn auch noch irgendwie wütend gemacht hat?
Weil das Anwenden meiner Techniken in dem Gespräch mit ihm nicht ANGEMESSEN war!

Wir haben uns sehr persönlich ausgetauscht.
Ich war für seine Themen da und er wollte auch für meine da sein dürfen. Doch ich habe mich automatisiert verhalten und offenbar fand ich das, was ich hätte fühlen können, so doof, dass ich mich in meine Techniken geflüchtet habe. So habe ich verhindert, dass ich mit seiner Hilfe neue Lösungen für meine Themen hätte finden können und ich hatte unsere Arbeitsverabredung gebrochen und dabei dann auch noch so getan, als wenn ich mega souverän wäre.

Manchmal bin ich wirklich schwer metabehindert!

Ich muss ihm recht geben, ich kann mich hinter meinen Methoden verstecken, mich und meine Themen von einer Metaebene aus betrachten und so den Kontakt zu mir selber verlieren.
Dissoziieren kann in einer kritischen Situation ein sehr effektives Mittel sein, um das innere Affektmanagement erfolgreich zu steuern.
In zugewandten Begegnungen sieht es dagegen einfach blöde aus! Schlimmer noch, mein Gesprächspartner kann sich verarscht fühlen.
Ich bin meinem Kollegen sehr dankbar für seine ehrlichen Worte.
Denn nun kenne ich eine gravierende Nebenwirkung dieser Technik und kann sowohl gegensteuern als auch  dafür sorgen, dass diejenigen, denen ich die Technik zeige, von Anfang an achtsamer mit dieser Fehlerquelle sind, als ich es bisher war.

Am Ende bestimmt die Dosis das Gift und im Zwischenmenschlichen ist das Maß dafür die Angemessenheit. Alles, was ich bewusst mache, braucht einen Bezug zu der Situation und macht nur Sinn, wenn es ANGEMESSEN  eingesetzt wird.