So steuerst Du das Verhalten Deines Gesprächspartners!

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Puhhh! Noch mal Glück gehabt…
… glaube ich!
Immerhin, mein Sohn lächelt mich wieder an.

Alles fing an, als ich ihn darüber informiert habe, dass ich am Nachmittag einen kleinen Kino-Event mit allen Kindern aus unserem Haus plane. Er hat (in meinen Augen) enorm pampig geantwortet, dass das nicht geht, weil er Fernseher und Raum zum Zocken braucht.
Logische Reaktion von mir war: Das kann er knicken und basta!
Ich habe den Vorfall zu den Akten gelegt, er war an dem Tag eh merkwürdig drauf.
Im Laufe des Tages habe ich immer mal gebohrt was los ist, doch er wollte nicht mit mir reden. Irgendwann platzte dann doch aus ihm raus, dass er von mir genervt sei, weil ich auf seinen Scherz mit dem Zocken so krass reagiert hätte.

SCHERZ?
Uppss…
Stimmt! Sein Spruch hatte genau den Ton, den er oft hat, wenn er mich hochnehmen will.
Und wenn er tatsächlich gescherzt hat, dann war meine Reaktion völlig unangemessen und sehr verletzend.
MIST!

Klar habe ich mich entschuldigt und ihm gesagt, dass es mir leid tut und dass ich im Unrecht war.
Nur wieso hat er dieses Missverständnis nicht sofort aufgelöst? Er hätte doch sagen können, dass es nur ein Scherz war…

Voilà, hier kommt mal wieder eine meiner Thesen:
Meine Erwartung an andere hat Einfluss darauf, wie sie sich verhalten werden!
Ich habe alles dafür vorbereitet, dass mein Sohn meine Erwartungen an ihn auf jeden Fall bestätigen würde.

Es war vertrackt, denn sein Verhalten auf mein Blaffen hat mich in meiner Annahme, er sei auf Konfrontationskurs, exakt bestätigt.
Vermutlich hat er sich einfach verletzt zurückgezogen.
Für mich war – Dank meiner Ansage – alles wieder klar:
Er hatte über die Stränge geschlagen, ich hatte eine nötige Grenze gesetzt und damit alles ins rechte Licht gerückt und nun stimmten die Verhältnisse wieder.

Natürlich hätte er auch enorme Selbstbeherrschung und Selbstwahrnehmung aufbringen können, sein hirninternes Panikmanagement wieder ausschalten und in Liebe und Zugewandtheit mir deutlich machen können, dass ich mich irre.

Aber mal ehrlich – er hat einen Scherz gemacht und ich habe zugedroschen!

Ich habe seine Ansage für bare Münzen genommen und anstatt ihm zu zeigen, dass mich das vor den Kopf stößt, habe ich „zurück“ geschossen und genau damit dafür gesorgt, dass er sich genau so verhalten wird, dass ich auf jeden Fall in meiner Annahme über ihn bestätigt werden kann.

Je länger ich darüber nachdenke, welche Macht in meinen Erwartungen an die Reaktionen meiner Mitmenschen so steckt, desto mehr erkenne ich auch, wie oft ich mich von den Erwartungen anderer an mich einschüchtern lasse.

Die einzigen Mittel und Techniken die ich kenne, die mir helfen können den Erwartungen anderer an mein Verhalten etwas entgegen zu setzen, sind Achtsamkeit und der Mut zur Verletzlichkeit.
Und ich habe da wohl noch einen Weg zu gehen…

Meinem Sohn habe ich heute Morgen gesagt, dass ich ihn lieb habe und noch mal, wie leid mir mein Verhalten vom Vortag tut.
Was bin ich erleichtert und froh, dass auch die Erwartung eines Lächelns genau so gut funktioniert, wie eine negative Erwartung.