Du hast die Wahl!

Als ich vor meiner Sommerpause meine letzten Beiträge geplant habe, bin ich mal wieder in die Falle getappt! Da ich entschieden hatte meine Beiträge, wenn möglich, mit Fotos zu versehen, habe ich einfach mal eines gemacht. Eines von meinem Bett!

Doch als ich das Foto dann hoch geladen habe und mein Kissen, mein Buch und meine zerlesene Zeitung in der Vorschau betrachten konnte, da hat mich ordentlich die Panik ergriffen: will ich das – ist das angemessen – ist das nicht zu privat – gebe ich nicht zu viel von mir preis?

Vielleicht hast Du das Bild ja auch gesehen und Dich das auch gefragt.
Es ist gar nicht so einfach zu entscheiden, was man von sich erzählt und was nicht.

In meinem Arbeitsalltag beschäftige ich mich damit was Menschen von sich zeigen wollen und wie ihnen das gelingen kann oder was sie aus Versehen von sich preis geben, ohne es zu wollen. Ich helfe meinen Klienten die Entscheidungen zielführend und sinnvoll zu treffen, was sie wann von sich sichtbar machen wollen, und wir trainieren dann die Umsetzung.

Man sollte meinen für mich selber kann das dann also gar kein Problem mehr sein.

Weit gefehlt. 😉
Ich bin wie alle anderen Menschen auch.
Letztlich ticken wir alle gleich!

Wenn wir uns mit dem wer wir sind wirklich sichtbar machen, bekommen die allermeisten von uns Stress. Stress der nichts mit unserem Verstand zu tun hat. Im Gegenteil, der Stress macht es für unseren Verstand schwer sich zu Wort zu melden.

Zur Vermeidung des Stresses gibt es zwei wenig sinnvolle und doch oft angewandte Strategien.
Erstens: behaupten, man sei eigentlich jemand ganz anderes.
Zweitens: sich so verhalten, wie man glaubt dass es alle tun würden.
Das sind zwei Varianten des selben Verhaltens: öffentliches Verstecken!

Verstecken ist ziemlich kontraproduktiv, wenn Du Dich beruflich sichtbar machen möchtest. Wenn Du was erreichen möchtest solltest Du gesehen werden, mit dem was für Dich spricht und zwar so, dass Du glaubhaft und be-merkbar wirst.
Du musst Dich also SEHR sichtbar machen.
Und schon sind wir wieder bei dem Stress…

Mir immer mal wieder grundsätzlich Gedanken darüber zu machen, wer ich für meine Öffentlichkeit sein möchte, hilft da sehr!
Leider kann man das bei keinem anderen abgucken. Das ist eine ganz individuelle Entscheidung und damit nicht kopierbar.
Mir hilft dabei das Wissen um meine drei Personae mit denen ich (und alle anderen auch) unterwegs bin: die öffentlich, die persönliche und die private Persona.

Das Wort Persona kommt aus dem griechischen und ist der Name für die Masken mit denen die antiken Schauspieler bei ihren zahlreichen Rollenwechseln im Drama sichtbar gemacht haben, wer sie gerade sind.
Ich benutze den Namen um deutlich zu machen, dass all das was Du von Dir erzählst Du bist, nur durch einen, der jeweiligen Situation angemessenen, Filter.
Das macht so schön deutlich, um was es geht:
Maske können sehr verschieden sein. Sie können das ganze Gesicht bedecken. Durch solch eine Masken kommt nicht mehr viel Persönliches durch, man kann zum Beispiel keine Mimik mehr wahrnehmen. Oder eine Masken verdeckt nur den Bereich der Augen und gibt also schon deutlich mehr vom Menschen dahinter preis. Ein Schleier wäre eine sehr durchscheinende Maske.

Du kannst Dir Deine öffentliche Persona als eine komplette Maske vorstellen. Deine Aussagen kommen durch, auch der Tonfall in dem Du sie sprichst erreicht Dein Gegenüber, was Du wirklich fühlst und denkst kannst Du ganz gut hinter der Maske verbergen.
Deine persönliche Persona zeigt schon deutlich mehr von dir und würzt die Begegnung mit dir durch den Eindruck den Du durch Deine emotionale Beteiligung hinterlässt. Hier machst du bereits bleibenden Eindruck.
Deine private Persona ist dann schon beinahe keine Maske mehr. In manchen Beziehungen und manchen Momenten kannst du ganz auf Masken verzichten. Ein wunderschöner und wertvoller Zustand von Vertrauen und Sicherheit.

Ein Teil von dem was Du wirklich bist erreicht Dein Gegenüber also IMMER durch deine Masken. Das sollte es auch. Wir schätzen einander in jeder Begegnung ein und bewerten dabei wie glaubhaft jemand für uns wirkt und unsere Sensoren dafür, wenn jemand gar nichts in eine Begegnung einbringt, sind sehr gut. Wir finden so jemanden im besten Falle einfach langweilig, im schlimmsten unheimlich.
Andere Menschen erinnern sich an Dich, wenn sie eine Emotion mit dir verbinden, am besten eine die deiner Absicht zuträglich ist und nicht, dass Du irgendwie merkwürdig und uneinschätzbar warst. Du musst also was von Dir zeigen, wenn DU angenehm und im besten Fall zielführend in Erinnerung bleiben möchtest.

Wer Du ganz privat bist muss nicht jeder wissen, dass darfst und solltest Du für Dich behalten. Was viel einfacher wird, wenn Du eine lebendige persönliche Persona anbieten kannst. Die persönliche Persona ist ein wunderbarer Mittelweg zwischen privat und öffentlich. Und sie ist eine sehr flexible und individuelle Maske, sie kann sich der Situation und deiner Zielsetzung anpassen.
Wenn Du im Privatleben jemanden Neues kennenlernst, gelingt Dir das ganz spontan und natürlich. Wir haben ein Bauchgefühl wieviel wir preis geben und wieviel wir, vielleicht erstmal, noch für uns behalten. Manchmal fragen wir uns nach der Begegnung wie es passieren konnte jemandem Fremden so viel so schnell preis zu geben. Das war das Bauchgefühl…

Wenn es jedoch nicht um eine schöne Begegnung geht, sondern um Deine berufliche Zukunft, kommt der Stress dazu und Deine innere Kommunikation zwischen Bauch und Verstand wird gekappt. In dem Notprogramm dass dann gestartet wird, gibt es sowas wie Voreinstellungen und nach denen verhältst Du Dich dann.
Solange diese Voreinstellungen nicht mindestens von Dir auf Deine Absichten und ihre Sinnhaftigkeit hin überprüft wurden, ist es leider recht wahrscheinlich, dass Du veraltete Programme laufen läßt. Vielleicht von Deinen Eltern kopiert oder (leider oft noch schlimmer) in Deiner Pubertät installiert.

Was situativ wirklich angemessen und zielführend für Dich ist, dass kannst du nur in dem Moment um den es geht entscheiden. Blöd wenn dann Stress dafür sorgt, dass alte Voreinstellungen Dich steuern. Gut wenn dann Deine Voreinstellungen mehr Flexibilität vorsehen.

Am Ende zahlt sich jeder Gedanke darüber was Du von Dir zeigen möchtest auch für Deine öffentlich Persona aus. Die nächste öffentliche Herausforderung wird Dir viel leichter fallen. Egal was es ist: ein Bewerbungsgespräch, eine Aussage vor Gericht oder eine Rede / ein Vortrag.

Auch das Internet ist eine sehr unüberschaubare und unkontrollierbare Öffentlichkeit. Man könnte auch sagen, es ist die afrikanische Savanne unserer Vorfahren platziert in die Gegenwart. Im Netz kann Dein vegetatives Nervensystem schnell den Eindruck bekommen, von Säbelzahntigern und Mammuts umringt zu sein.

Dank all der Vorarbeit war meine kleine Panik über das Foto von meinem Bett schnell sortiert. Mein aktuelles Notprogramm hat mir unmittelbar mitgeteilt, dass mein Kissen nichts von mir erzählt, was ich nicht eh schon preis gegeben hätte und auch preis geben möchte.

Das Foto ging online und hat als klitzekleines emotionales Puzzelteil seinen Teil dazu beigetragen, meine Sichtbarkeit für mich angemessen und stimmig zu vergrößern.