IMG_0941_ng-fotografie_kleinWas passiert, wenn du für die Sachebene deine Emotionen wegdrückst?

„Woher soll ich das denn wissen! Ich war bestimmt auf mehr als 5 Kommuniationstrainings und immer hieß ich soll die Emotionen draussen lassen. Das hab ich gemacht und jetzt fragst du, wie sich das anfühlt und was da ist… da ist nichts…“

Ich bin – ehrlich gesagt – erschüttert. Nicht genau zu wissen, was da in mir los ist, halte ich für sehr, sehr menschlich. Darin nicht geschult werden wie ich mit all dem was in mir abgeht umgehen kann, halte ich für bedauerlich. Ausdrücklich zur Repression geschult zu werden, das ist erschreckend!

Gut. Nehmen wir mal an, dass das nicht das Ziel der Trainings gewesen ist, sondern nur eine unbeabsichtigte Begleiterscheinung. So fürchte ich doch, dass entweder sehr oft billigend in Kauf genommen wird oder auch den Trainern schlicht nicht bekannt ist, dass Emotionen sich nicht einfach ausschalten lassen bzw. was wirklich passiert wenn wir das versuchen.

Schon Freud war sich sicher, dass unterdrückte Emotionen psychische und auch physische Konsequenzen haben. Es gab schon jede Menge merkwürdigen Theorien dazu und viele hatten erneut schlimme Nebeneffekte, wie der Gedanke es könne eine „Krebspersönlichkeit“ geben. Diese Idee ist heute zum Glück widerlegt.
Statt dessen weiß man heute, dass es sogar Repressoren gibt, deren Lebenswandel besonders gesund ist. Einfach weil sie sich sehr gut eingerichtet haben darin – zwar nicht drum zu wissen –  aber verdammt ängstlich zu sein. Das kann gut gehen!

Die Biochemie der Emotionen zu betrachten, hilft zu verstehen, dass sie nicht einfach weggedrückt werden können. Denn Emotionen sind immer auch Biochemie.
Und diese Stoffe verschwinden nicht einfach aus unserem Körper, sie müssen abgebaut werden. Werden sie nicht abgebaut kann sich jeder denken, dass das mindestens nicht angenehm sein kann. Egal welcher Hormoncocktail da gerade gebraut wird. Im schönsten Fall führt das eben zu blinder Verliebtheit (über die sich der eine oder andere nachträglich auch schon gegrämt hat) und im schlimmeren zu Bluthochdruck.

Wegdrücken von Emotionen ist also eine sehr bescheidene Idee!

Erst wenn ich bemerke dass da was in mir passiert, bekomme ich die Option diese Vorgänge zu bewerten, zum Beispiel anders, neu und zielführend.
Erst wenn ich bemerke dass da was passiert, kann ich sinnvolle Massnahmen einleiten.
Nur wenn ich bemerke das da was passiert in mir, kann ich lernen gut für mich zu sorgen und wirklich auf eine Sachebene zu kommen, auf der ich dann auch die Ziele erreichen kann, die ich wirklich erreichen möchte!