Warum beim Storytelling ein bisschen Nabelschau ganz gut kommt

Muscular abdomen

Es gibt eine einfache – und ein wenig beschämende – Erklärung dafür, warum ich bestimmten Blogs oder Kolumnisten folge und andere einfach wieder vergesse oder (fast noch schlimmer) mich immer wieder durch deren Texte quäle, während ich bei Ersteren sogar weiter lesen obwohl mich das Thema noch nie vom Stuhl gehauen hat:
meine voyeuristische Lust daran etwas über andere Menschen zu erfahren!

Ich kenne Blogs, die gesellschaftlich enorm wichtige Themen publizieren und die ich von ganzem Herzen unterstützen möchte, weil ich ihre Haltung teile. Und doch kann ich keinen Text bis zum Ende lesen und oft genug lösche ich die Mail, mit der Infos zum neuen Text, in der morgendlichen Eile „aus Versehen“ …uuuuppsss…

Die Wahrheit über mich ist: ich MÖCHTE Informationen, Daten und Fakten zu bestimmtenThemen, aber ich HÖRE auf Emotionen.
Und die Wahrheit über diese Emotionen ist: wer beim Schreiben oder Sprechen Emotionen nutzt, der macht sich verletzbar.

JA! Emotionen werden durch die Preisgabe von etwas Persönlichem erzeugt.
(Wenn Du einfach tote Tierbabys zeigst und dabei kalt bleibst, wirkst du wie ein gruseliger Psychophat.)
Und wenn Du etwas Persönliches in die eigenen Texte einbaust, dann fühlt sich das (je nach dem wie „intim“ die Story ist) eventuell gefährlich an.

NEIN! Das bedeutet nicht, dass Du uns an allen persönlichen Storys bei dir zu hause teilhaben lassen musst. Das ist dann auf eine andere Weise langweilig…

ABER! Es bedeutet eben, dass es Deinen Inhalten (Texten oder Vorträgen) enorm hilft, wenn Du Deine Gefühle ins Spiel bringst in dem Du etwas Persönliches für das Thema preisgibst.
Und wenn Dir Dein Inhalt wirklich am Herzen liegt, dann tut es Deinem Text/Deinem Vortrag gut, wenn Du Dich ganz bewusst ein Stück aus Deiner Sicherheitszone raus bewegst und ein kleines bisschen mehr preisgibst, als Du es gewohnt bist oder bisher getan hast oder schon lange nicht mehr getan hast oder in diesem Rahmen noch nicht getan hast oder ….
Deine Preisgabe gibt Deinen Inhalten Gewicht. Dein Risiko macht Deinen Auftritt oder Text gleich um einiges wirkungsvoller.
Weil ich als Leser spüren kann, dass Du was riskierst und dadurch mein Voyeurismus und meine Neugier angestachelt wird. Weil ich eben hoffe, dass Du über die Andeutungen hinaus gehen wirst und ich mehr über Dich erfahren werde. Und ganz nebenbei beginne ich Deine Emotion aufzunehmen, während ich das kleine Rätsel Deiner persönlichen Preisgabe verfolge und schwupps., habe ich Dein Thema „gekauft“!

Sich ganz nackig machen allerdings verdirbt die Spannung. Wie schon gesagt, dann wird es auch ganz fix langweilig. Denn ganz nackig kannst Du weder steigern, noch zurück zu nehmen. So ein kleines Nabelschau-Blitzer dagegen funktioniert super als Teaser für ein Thema.

Probier es ruhig vorsichtig aus, dich auf Dein dünne Eis zu begeben. Es lohnt sich!