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Warum Du nicht jede Situation spielerisch angehen kannst…

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Ich liebe es, die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Männern und Frauen zu erforschen. Weil ich so meine eigenen Verhaltensmuster, die trotz einer relativ unorthodoxen Kindheit selbstverständlich auch geschlechtsspezifisch sind, erweitern kann.
Und es war eine meiner unangenehmeren Momente der Selbsterkenntnisse, als ichvon einem verdammt guten Trainer gelernt habe, dass ich sehr wohl nachtragend bin, dass ich in Auseinandersetzungen leichter weiter kommen würde wenn ich Rückschläge oder sogar Verluste spielerischer nehmen würde.
Ich musste mir eingestehen, dass ich bisher weiblich sozialisiert auf Rückschläge, Einschränkungen oder Zurückweisungen reagiert hatte und dass es noch einen anderen Weg zu geben scheint, der offenbar männlich sozialisiert ist…

Das Ganze geschah auf einem Unternehmerinnen Netzwerkabend in Hamburg und der Trainer war Sven Friedrichs. Ein kleiner Raum voller freiberuflicher Frauen und Unternehmerinnen und ein einziger Mann, der uns die Hölle heiß gemacht hat. Er hat sich 3 Stunden lang mit uns gestritten und ich glaube er hatte echt Spaß!
Ich war am Ende so wütend, dass ich mich an meinem Stuhl festhalten musste. Und plötzlich machte es „klick“ und ich wußte, er hat recht.
Männer (NATÜRLICH gilt das nicht pauschal, es ist einfach eine sehr oft zutreffende Tendenz) stehen eher auf Kräftemessen als die meisten Frauen und sie können Niederlagen deshalb besser wegstecken, weil sie direkt nach der nächsten Gelegenheit für eine Revanche suchen.
Selbst ich, ein ’68-Kind, aufgewachsen mit der unverbrüchlichen Vorstellung, dass mein Geschlecht nicht bestimmt was und wie ich sein möchte, tobte vor nachtragender Wut, weil er behauptete hatte, ich sei nachtragend.
Das hat er verdammt gut gemacht!

Seitdem beobachte ich jene Männer, die das mit dieser „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ Haltung besonders gut können, und lerne von ihnen.
Und ja, oft sind sie viel schneller darin die nächste Herausforderung zu suchen, als ich. Noch!
Denn Herausforderungen spielerisch zu nehmen, das habe ich seit jenem denkwürdigen Abend vor vielen Jahren echt trainiert und ich glaube, ich bin darin mittlerweile recht gut…

So gut, dass ich auch feststellen konnte, wann diese „Technik“ nicht zum Ziel führt und sogar verdammt unangenehme Nebenwirkungen haben kann.
Kann sein, das passiert nur den Frauen, die sich an der „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“-Haltung versuchen.
Glaub ich aber nicht!

Um nach einer Niederlage direkt weiter machen zu können und zwar mit Spaß und Lust an der Sache, muss ich die Verletzung der Niederlage in eine andere Emotion verwandeln.
Das ist ein bisschen wie beim Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen.
Du hast das vielleicht bei Deinen Kinder beobachtet oder du kannst Dich noch erinnern, wie Du das Spiel damals gelernt hast.
Zuerst wird die Wut bei jedem Rauswurf immer größer und dann unkontrollierbar. Solange bis man lernt, seinen Ärger in sowas wie Lust zu verwandeln. Lust darauf, die Lösung zu finden, sich zu rächen oder was auch immer einen am meisten antreibt. Sogar wenn es aussichtslos erscheint, kämpft man dann noch weiter. Denn vielleicht kann man ja doch noch in der letzen Sekunde das Blatt zu seinen Gunsten wenden.

Um den Ärger in risikofreudige Lust zu verwandeln braucht es zwingend, dass Du Dir einmal kurz gestattest laut „Scheiße“ zu sagen.
Du musst dafür einmal – kurz und heftig – Deinem Ärger Luft machen, ihn zulassen. NUR DANN kann es weiter gehen und nur dann kannst Du Deine Wut in Angriffslust verwandeln. Die gekränkte Emotion macht sich Luft, darf sein und kann dann etwas Neues werden.

Doch es gibt Situationen, in denen ich nicht laut „Ach Scheiße!“ rufen kann, um so meinen Ärger zu verwandeln.
Im wahren Leben geht das sogar sehr oft nicht.
Im schlimmsten Fall muss ich sogar gute Miene zum bösen Spiel machen. In einem Meeting zum Beispiel solltest Du lieber nicht emotional reagieren, wenn Du vor versammelter Mannschaft einen Kopf kürzer gemacht wirst.
In solchen Situationen schluckst Du vermutlich das fiese, miese Gefühl runter. Du schneidest Dich von Deinem Ärger, Deiner Wut und Empörung ab. Doch das kann verdammt schnell sehr unangenehme Nebenwirkungen haben.

Das erste, was Du dann vielleicht wahrnimmst ist, dass Dir das Geschehen um Dich herum beginnt egal zu werden. Wenn die Sitzung noch länger dauert und Du sonst mit hohem Tempo unterwegs bist, kann es sein dass Du anfängst Dich zu langweilen.
Ganz unmerklich hast Du Dich nicht nur von den Gefühlen die durch die öffentlichen Kränkung ausgelöst wurden abgeschnitten, sondern von ALL Deinen Gefühlen.
Wir können nur entweder abgeschnitten oder angeschlossen sein, an unsere Gefühle.
Es gibt keine Möglichkeit nur einen speziellen Bereich, ein einziges Gefühl abzuschalten.
Entweder Du fühlst, was in Dir vorgeht oder Du fühlst es nicht!
UND viel zu oft merken wir nicht, dass wir uns abgeschaltet haben, sondern wundern uns nur, dass wir uns langweilen, kein Interesse mehr am eigenen Vorwärtskommen aufbringen können oder sogar beginnen Menschen um uns herum weniger zu mögen…

Ich liebe die „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ Haltung! Nur leider verwechseln wir sie leicht mit dem Abschalten von Gefühlen. Und dann besteht sogar Gefahr für die Karriere! Denn unser innerer Kompass, der uns spüren lässt was die anderen jetzt brauchen, damit wir unsere Ziele erreichen können, der ist dann defekt.
Ganz zu schweigen von den privaten Konsequenzen…

Was Du tun kannst, damit Dir das nicht passiert? – Sorg für Deine emotionale Hygiene!
Ja! Es gibt Situationen, da ist es angemessen und richtig sich abzuschalten, damit man „gesellschaftsfähig“ bleibt.
Es kommt darauf an, dass Du Dir – zeitlich möglichst so unmittelbar wie es geht – die Gelegenheit gibst, Dich wieder anzuschalten.
Entweder schon direkt in dem Meeting, wenn Du Dich eh gerade langweilst oder unmittelbar danach an einem Ort, an dem Du ungestört bist.

Und so geht’s:
1. Nimm Deinen Körper wahr. Wo bist DU angespannt?
2. Entspanne die angespannten Muskeln wieder. Sorge vor allem dafür, das Du Deine Bauchmuskeln wieder losläßt!
3. Atme tief aus, so wie Du es auch tätest wenn Du der unangenehmen Situation endlich den Rücken kehren könntest.

So betätigst Du den „An-Schalter“. So kannst Du Deinen Parasympathikus aktivieren und damit wieder Zugang zu Deinen Gefühlen bekommen. Wenn dann der Ärger zurück kommt, kannst Du ihn bewusst mit dieser wunderbaren „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ – Haltung in eine andere Emotion verwandeln.

 

Das war mein Beitrag zur Blogparade Gegenwind von Frank Albers.