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Über den Fehler, immer und ständig leistungsfähig sein zu wollen

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Viele Schauspieler haben eine besonders hinderliche Fehlerquelle: ihre Leistungsbereitschaft!

Häh? Wie kann Leistungsbereitschaft ein Fehler sein?
Ganz einfach, weil Leistungsbereitschaft Deine Wirkung torpedieren kann!

Einer meiner Klienten ist als Schauspieler freiberuflich tätig, spielt regelmäßig und an guten Häusern, doch leider entwickelt sich seine Karriere nun schon eine Weile nicht mehr weiter.
Letztens hatte ihn die Grippe fest im Griff und natürlich ist er, mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten, die dafür sorgten, dass er stimmlich halbwegs zu hören war, trotzdem zur Vorstellung (auch noch in eine andere Stadt) gefahren.

Auf der anderen Seite habe ich eine Freundin die sich – sie arbeitet festangestellt von zu Hause aus – bei einer ordentlichen Erkältung sofort krank meldet, um auf dem Sofa, direkt neben dem Computer an dem sie sonst arbeitet, ihre geliebten Bücher zu lesen.
Erstaunlicherweise hat sie keine Probleme,  ihre Karriere weiter zu entwickeln und in ihrer Branche bedeutet das, dass man die Firma wechseln, also kündigen muss.

Ich behaupte es gibt einen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft unter Schmerzen schlechte Leistung abzuliefern, um eine Leistung zu garantieren und der Entwicklung der Karriere!

Keine Frage, meine Freundin bekommt für ihr Verhalten Gegenwind im Unternehmen!
Keine Frage, mein Klient erfreut sich vor und nach der, unter Schmerzen gespielten Vorstellung an dem Mitgefühl und der Anerkennung aller Kollegen und vor allem der Theaterleitung.

Und jetzt komme ich mal wieder mit einer meiner Theorien:
Dummerweise ist nämlich in beiden Fällen nachhaltig nur eines in den Langzeitspeichern der jeweiligen Vorgesetzten/Auftraggebern relevant: Der Gesamteindruck der Leistung!

Der Gesamteindruck sollte sich (rechnerisch) aus der Quersumme der schlechtesten und der besten Leistung des Angestellten/Auftragnehmers ergeben.
Nur leider neigt der Mensch dazu, sich das Schlechte deutlich besser merken zu können und so reduziert ein unterirdisch mieser Theaterabend die Gesamtbilanz erheblich mehr, als ein toller Abend sie steigern kann…

ICH WEISS!
Ich habe eine Festanstellung mit einem Freiberuflichen Arbeitsverhältnis verglichen und das geht schon deshalb nicht auf.
Ehrlich gesagt, habe ich das mit Absicht gemacht.
Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass es meiner Freundin hilft zu wissen, dass sie einen Kündigungsschutz hat. Genau das gibt ihr vermutlich die Sicherheit, ihre Leistung nicht selber zu sabotieren und statt dessen gut für sich zu sorgen.

Diese Tatsache ändert jedoch nichts an der langfristigen Wirkung der schlechten Leistung, die mein Klient garantiert geliefert hat, als er unter Schmerzmitteln und mit Playback versucht hat, durchzuhalten.

Es ist ein deutlich größeres Risiko für Freiberufler einen Auftrag wegen Krankheit nicht umzusetzen, als es das für Angestellte ist!
Darüber lohnt es sich nicht zu streiten, das ist eine Tatsache.
Darum geht es mir aber auch nicht.

Ich möchte Dir ans Herz legen, Dir dreimal zu überlegen, was gerade relevanter ist und abzuwägen, ob der Einsatz das Risiko wert ist, Deine Gesundheit UND Deinen Ruf zu verlieren.

Ich jedenfalls leihe mir Bücher von meiner Freundin, wenn ich krank werde. So sorge ich dafür, dass ich genug Zeit zum Abwägen habe und dann entscheide ich von Situation zu Situation.
Denn auch bei mir entscheidet sich ein Klient oder Kunde auf Grund meiner Leistung für eine weitere Zusammenarbeit und ich habe mehr davon, wenn ich etwas absage und meinen guten Gesamteindruck bewahren kann, als wenn ich mich irgendwo hin schleppe, mein Gehirn nicht wirklich benutzen kann und meine Klienten sich anschliessend fragen, wofür Sie Geld gezahlt haben.