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Wie gruselig es sich anfühlen kann, wenn Du einen vollkommen neuen Weg gehen musst

Warst Du schon mal in einer Situation, in der Du Dich vielleicht entscheiden musstest, oder einen komplett neuen Weg suchen musstest und nicht den Deut einer Ahnung hattest, wie Du verdammt noch mal genau das schaffen sollst?
Und ich meine keine berufliche Herausforderung oder so. Ich meine diesen Zustand nach heftigen, einschneidenden und manchmal schockierenden Ereignissen, wie einer Kündigung, einer Trennung oder auch einem Todesfall.

Ja, für mich gehören all diese Ereignisse in eine Kategorie!
Es sind Ereignisse, die unsere Welt aus ihren Angeln heben können, nach denen wir nicht mehr sind wer wir waren und nach denen unsere Welt anders aussieht, als sie es vorher tat.
Das Gefühl, das ich meine, ist Orientierungslosigkeit.
Da, wo ich dann bin, war ich noch nie und das, was ich verloren habe, kommt nicht wieder.

Es gibt mehrere Möglichkeiten auf solche Ereignisse zu reagieren.
Ich kenne zwei:
1. Ignoranz
2. Aktionismus

Beim ersten Verhalten bemüht man sich einfach so weiter zu machen, als wenn sich nichts verändert hätte.
Die Fehlerquelle dabei ist, dass man dann so handelt wie zuvor und (gilt natürlich nicht für den Verlust eines geliebten Menschen) vermutlich genau das wiederholt, was einen in diese Lage gebracht hat.

Ich selber neige zum zweiten Verhalten, zum Aktionismus.
Ich akzeptiere die Tatsachen und Ereignisse die meine Welt aus ihren Fugen gehoben hat, versuche aber durch ganz viel Handlungen dafür zu sorgen, dass dieser Zustand möglichst schnell wieder vorbei ist.
Die Fehlerquelle hier ist eigentlich genau die gleiche, wie bei der ersten Reaktion. Nur, dass ich mir einbilde bewusst zu handeln und es „anzupacken“.
Wer einfach los düst und nach der Abkürzung sucht, läuft Gefahr, sich ordentlich zu verstricken und manchmal alles noch schlimmer zu machen, als es eh schon war…

Ich kenne nur einen Weg, wirklich produktiv mit solchen Herausforderungen umzugehen:
AUSHALTEN!
Ja!
Nicht schön, aber wahr!
Aushalten, anhalten und wahrnehmen, wie es mir wirklich geht.
Ich muss das keineswegs jedem jederzeit auf die Nase binden. Selber drum zu wissen, hilft schon.
Sich Hilfe dafür holen, ist auch eine verdammt gut Idee.
Manchmal kann dieser Zustand unerträglich sein und dann ist es gut, wenn Du mindestens einen Menschen hast, der dann mit Dir zusammen dahin schaut.

Es gibt schräge Angebote, die Dir versprechen, dass es doch einen geheimen Weg gibt, mit dem es ganz einfach und ganz schnell und fast schmerzfrei geht.
Das ist Quatsch! Und doch gibt es genau solche Angebote.
Für viele Euro kannst Du zusammen mit ziemlich vielen anderen Menschen in Kursen an zweieinhalb Tagen all Deine Probleme überwinden.
Wenn Du nur wirklich willst…

Leider klappt das in wirklichen Krisen garantiert nicht!
Im Gegenteil, diese Versuche, eine Abkürzung zu nehmen, machen es oft noch schlimmer.
Der Weg aus der Orientierungslosigkeit ist ein langsamer und auch ein schmerzhafter.
Es gibt keine Abkürzung.
Aber es gibt einen Beschleuniger: Dein Mut!

Dein Mut, Dich eben nur Schritt für Schritt über das neue und dünne Eis zu bewegen. Es auszuhalten, dass Du Deiner Familie und Deinen Freunden „noch immer nicht“ sagen kannst, wie es weiter gehen wird.
Und den Mut, Dir wirklich hilfreiche, professionelle und nachhaltige Hilfe zu suchen.

Mit jedem Schritt wird ganz langsam der kleine Lichtstreif am Horizont größer werden. Auch wenn es unerträglich langsam passiert. Es passiert!
Und dann, eines Tages, ist es überlebt. Es ist vorbei. Du bist da durch.
Für die meisten Krisen sind wir nämlich ganz gut ausgerüstet. Unsere physischen, emotionalen und psychischen Systeme können das schaffen.
Wir müssen sie nur lassen. Ihnen die Zeit und die Aufmerksamkeit schenken.
Und dann überleben wir fast jede Krise.
Schritt für Schritt…