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acting Techniken vs Navy Seals

©nina grützmacher

Was die Navy Seals machen, können Schauspieler schon lange!

Hier kommt der dritte Teil meiner Anleitung für die Techniken der Navy Seals 😉

Im Netz kursieren Geschichten darüber mit welchen vier “Tricks” sich die Navy Seals der US Army, ausser körperlich und an ihren Waffen, noch trainieren. Ich habe nach Original-Quellen gesucht und sie leider bisher nicht gefunden.

Aber ehrlich gesagt, ich finde diese Geschichten trotzdem ganz plausibel, denn Schauspieler nutzen ganz ähnliche Techniken um genau das Gegenteil von dem zu erreichen, was die amerikanischen Elitesoldaten vermutlich erreichen wollen:

die einen bleiben in real bedrohlichen und extremen Situationen handlungsfähig, in dem sie dafür sorgen, dass ihr Kopf klar bleibt, und die anderen sorgen dafür ihren Verstand kontrolliert zu verlieren, um in einer extremen – jedoch erfundenen – Situation glaubhaft und wahrhaftig zu sein.

Die vier “Tricks” sind eigentlich ganz einfach:

  1. positive Selbstgespräche
  2. Atmung
  3. Imagination
  4. ein positives Ziel

Und da Schauspieler genau das selbe wie die harten Jungs – nur eben anders rum – machen, braucht man gar nicht die geheime Navy Seals Technik, man kann die knapp zwei Jahrhunderte erprobten, gut dokumentierten und stetig optimierten Techniken von Schauspielern nutzen, um dasselbe zu erreichen.

Wie?

Das zeige ich dir in 4 Schritten.
Schritt 1 – positive Selbstgespräche findest Du hier!
Schritt 2 – deine Atmung findest Du hier!
Und in diesem Text geht es um:

Schritt 3 – Imagination

Es heißt die amerikanischen Elite-Soldaten nutzen Imagination, um sich vorzubereiten.
Das bedeutet – ähnlich wie auch Sportler das tun – sie denken den ganzen Einsatz detailiert vorab durch. Immer wieder und wieder und wieder…
Und – anders als Sportler, die ausschliesslich das Gelingen geistig planen – durchdenken die harten Jungs dabei angeblich auch jeden möglichen Fehler, jedes Missgeschick oder unerwartetes Ereignis. Und zwar immer mit mehr – als einer –  Erfolg versprechenden Lösungen.

Wenn Du mehr darüber erfahren willst, wie das mit der Imagination beim Sport funktioniert, wo Imagination genutzt wird, um das jeweils nächste Leistungslevel zu erreichen, lege ich dir diesen BBC-Film auf Youtube über unser Gehirn ans Herz: https://youtu.be/tgis74vj-OU. Ungefähr bei Minute 16 beginnt der Teil über eine junge Leichtathletin und die Effektivität der Imagination für ihre Leistung.
Der Rest des Filmes ist mindestens genau so spannend 😉

Bei Schauspielern wird Imagination für sehr viele verschiedene Absichten eingesetzt. Das beginnt beim Verlieben, über den Zustand eines heftigen Rausches und endet beim glaubhaften Entschluss sich das Leben zu nehmen.
Alles Extreme die wir eigentlich ungern freiwillig oder mit irgendeiner fremden Person erleben möchten. Um das trotzdem verlässlich und abrufbar und jederzeit zu können, nutzen Schauspieler viele verschiedene Techniken der Imagination.

Und wann benutzen Schauspieler Imagination? Schauspieler müssen in ihren Rollen genau so aussehen, wie sie auch in der gleichen Situation in Wirklichkeit aussehen würden. Und obwohl ich jede meiner körperlichen Bewegungen bewusst so steuern kann, wie ich das will, kann ich eben die Reaktionen meines vegetativen Nervensystems nicht bewusst durch einfach Befehle steuern.
Es reicht nicht zu sagen: “Haut erblasse / Pupillen werdet weit / Haut jetzt bitte einen rosa Schimmer”.
Um diese Reaktionen zu erzeugen, muss ich mein vegetatives Nervensystem dazu bringen, etwas zu glauben was nicht wahr ist. Es geht immer darum eine  Realität zu schaffen, die es eigentlich gar nicht gibt.

Und wie kannst Du Imagination jetzt in beruflichen Situationen nutzen?

Wenn es also möglich ist meinem vegetativen Nervensystem vorzumachen, dass etwas passiert (was gar nicht wirklich passiert) und zwar nur durch meine Imagination (also meine Vorstellung), dann kann das andersrum auch klappen! Es ist derselbe “Schalter”, die gleiche Technik. Nur eben anders rum!
Und ich kann ihn immer dann nutzen, wenn ich mich gerade bedroht oder gestresst fühle.

Ich gebe dir 3 konkrete Beispiele und Du kannst sie ausprobieren.

1. Proben

Ja! Theaterprobe oder auch das Vorbereiten auf einen Dreh ist Imaginationstraining, denn es wird Stück für Stück eine Realität gebaut, die es nicht gibt. UND sie wird verankert.
Auf der Bühne oder vor dem Dreh wird über Tage oder Wochen erarbeitet, wie es gehen könnte. Es werden Fehler gefunden, neue Lösungen ausprobiert, wieder verworfen und Stück für Stück nähert man sich so der erfundenen Realität an und manifestiert sie. Dafür gibt es viele Techniken und Mittel. Zwei der wichtigsten sind die offene Probenhaltung und die Probs.

Die offene Probenhaltung könnte man auch positive Fehlerkultur nennen.
Denn die Absicht einer Probe ist es, über Fehler den “richtigen” Weg zu finden. Das heißt alle müssen bereit sein Fehler zu machen und vor allem schnell über Fehler hinwegzukommen. Es geht darum über Trial&Error herauszufinden, wie es gehen kann. Der Error, der Fehler, ist Mittel zum Zweck.

Die Probs sind die Gegenstände, die die Figuren in den Szenen benutzen, sie helfen dem vegetativen Nervensystem zu glauben, dass die gefakte Realität echt sei. Und an ihnen können sich die zu erzeugenden Gefühle ankern.

Du solltest das auch machen!

Du solltest herausfordernde Situationen vorher proben.
Vermutlich findest du es albern. Aber es hilft!
Wenn Du also ein für dich in irgendeiner Weise herausforderndes Gespräch führen musst oder möchtest, dann probe es vorher! Spiel es durch!
Und vergiss dabei nicht, es geht beim Proben darum herauszufinden, wie es NICHT geht.
Wenn etwas nicht klappt, bist Du auf dem richtigen Weg.
Gib nicht auf!

Und jedesmal, wenn Du auf diesem Weg etwas gefunden hast, was sich gut anfühlt, dann such dir eine Bewegung oder einen Gegenstand der in dem Zusammenhang Sinn macht und bau ihn in deine Situation ein.
Du könntest beim Proben für dein Bewerbungsgespräch an der Stelle wo Du gefragt wirst, an was für ein Jahresgehalt Du denkst, feststellen, dass es sich gut anfühlt deine Füsse fest auf den Boden zu stellen, bevor Du laut dein Wunschgehalt sagst.
Oder Du kannst deinen Stift in die Hand nehmen und mit ihm spielen, wenn dein Chef dich fragt, ob Du eine Lösung für den Konflikt hast.
Oder irgendwas anderes.
Hauptsache es hilft dir, das gute und sichere (oder auch nur halbwegs gute) Gefühl zu manifestieren und abrufbar zu machen.

2. actions

actions sind Anker. Also Gegenstände oder Bewegungen, die ein bestimmtes Gefühl in dir hervorrufen.
Beim Drehen oder auf der Bühne werden sie als bewusst gebaute Trigger eingesetzt.
Also als Auslöser für ein heftiges Gefühl und eine typische – meist abwehrende – Reaktion auf dieses Gefühl. Das erzeugt dann ein Verhalten, dass dann wiederum bei dem Kollegen auch ein Trigger werden kann…
Und schon haben wir einen saftigen und glaubhaften Konflikt!

Das geht – wie schon gesagt – auch anders rum. 

Hier ein Beispiel!
Wenn Du weißt, dass dein Partner bei dir den Wutknopf auslöst, wenn er achtlos etwas ignoriert was dir verdammt wichtig ist, dann könntest Du dir zum Umgang damit eine action bauen.

Und das geht so:

  1. Frag dich, was Du dir wünschst, was könntest Du erreichen wollen in dieser Situation? – Er soll den Mülleimer gefälligst ohne Ansage sehen, und von alleine auf die Idee kommen ihn mit runterzunehmen bevor er überquillt. – Verständlich! Nur losbrüllen bringt nichts. Woher ich das weiß? Wenn es was bringen würde, wäre das kein Problem mehr, oder?
    Also ist dein Ziel: deinen Partner dazu zu bewegen, den Mülleimer runterzubringen.
  2. Frag dich, was kann ich konkret dafür MACHEN, damit er das Ding und die Aufgabe sieht. Ich meine damit nicht welche weiteren Aktionen Du noch tun kannst oder wie Du deinen Bedarf noch sagen oder formulieren kannst. Ich meine, was kannst Du für DICH tun, um dein Ziel zu erreichen, wenn sich Brüllen – deine routinierte Reaktion –  bereits als ineffektiv herausgestellt hat.
  3. Am besten fragst Du dich, wie Du dich fühlen würdest, wenn es geklappt hätte! Vielleicht wärest Du entzückt von ihm? Gut!
    Was müsstest Du tun, um von ihm entzückt zu sein, völlig unabhängig davon, was mit dem Müll passiert? Dich an sein freches Lächeln oder seinen Hintern erinnern. Dir vorstellen, wie er Nachts das Baby tröstet oder wie er dich manchmal anschaut, wenn Du aufwachst. Finde raus was Du brauchst, um dich entzückt sein zu lassen.
  4. Sobald Du spürst, dass Du entzückt bist, stellt sich die Frage, wie hast Du das gemacht? Wirklich gemacht! Hast Du dir seinen Hintern oder sein Lächeln ausgemalt? AH!

Mach es! Das ist deine action!

Und wenn er das nächste Mal auf seinem Handy daddelnd am überquellenden Mülleimer vorbei geht, dann mal dir aus, wie er dich beim Aufwachen anschaut (oder was immer deine action ist) und mache ihn erst dann auf den Müll aufmerksam, wenn Du dieses entzückende Gefühl bereits hast…
😉

3. Transformation

Die Absicht dieser Technik ist, sich einen fremden Mensch schnell vertraut zu machen. Und zwar so schnell und so stark wie nötig.
Vor der Kamera hilft diese Technik zum Beispiel, sich ungezwungen und leicht mit einem bis vor 20 Minuten noch völlig fremden Menschen so zu verhalten, als wenn man sich sehr nah und eben sehr vertraut ist. Es erleichtert das Küssen und lässt gegenseitige Berührungen aussehen, als wenn sie schon hundertmal gemacht worden wären. Denn ob man jemanden zum ersten Mal berührt oder schon oft, das sieht nämlich gänzlich anders aus.

Im beruflichen Alltag kannst Du es benutzen, um anderen ein Gefühl von Vertrauen und Zuverlässigkeit zu geben. Es kann helfen schnell in Kontakt zu kommen und ebenso dafür sorgen, dass der Kontakt verbindlich ist.
Es hilft wenn man einen neuen Job antritt, bei Verkaufsgesprächen, im Bewerbungsgespräch, wenn man neue Mitarbeiter bekommt…

Du solltest dabei sehr achtsam mit Berührungen sein, denn die sind zwar vor der Kamera hilfreich, im wahren Leben jedoch schnell viel zu viel!

Und so geht es:

  1. Du suchst dir direkt beim Anblick der fremden Person, der Du Nähe vermitteln möchtest, etwas an ihr was Du magst, was dich vielleicht an jemanden erinnert, den Du sehr magst. Jeder Mensch hat irgendwas an sich, was liebenswert ist, und wenn es die Art ist, wie die Haare hinter das Ohr gesteckt werden oder die Art und Weise wie er “So!” sagt.
  2. Und dann konzentrier dich auf das positive Gefühl, dass dieses Merkmal in dir auslöst, während Du ins Gespräch gehst.
  3. Sollten andere Gefühle, wie Stress, Unsicherheit oder Antipathie, das positive Gefühl verdrängen, dann stelle eine nebensächliche Frage, deren Antwort dir Zeit gibt, dich voll und ganz auf das positive Merkmal zu konzentrieren. Du kannst es dir ein bisschen vorstellen wie das Morphen von Bildern. Mit der Absicht den Menschen vor dir ein Stück weit in den Menschen zu transformieren, an den dich das Merkmal erinnert oder in einen, der vor allem aus diesem Merkmal besteht. Nutze die Zeit seiner Antwort für dein Positiv-Morphen und steige erst dann in das Gespräch ein.

So viel für heute 🙂 Nächste Woche erzähle ich dir davon, wie dir dein POSITIVES ZIEL bei all dem helfen kann!

Bis dahin viel Spaß beim Üben! Und ich freue mich sehr, wenn Du mir schreibst, wie es dir ergangen ist mit den hier vorgestellten Tipps oder vielleicht sogar ganz anderen Imaginationstechniken, die dir gut tun, wenn es herausfordernd wird!

Und wenn Du den ganzen Text lieber hören als lesen möchtest, dann schau hier rein:
Was die Navy Seals machen, können Schauspieler schon lange! auf soundcloud