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Über die Chance nicht 100% sicher zu sein, was ich wirklich fühle…

Ich habe da gerade so eine Situation…
Vielleicht hast Du ja im Moment sowas ähnliches am Laufen oder früher schon mal erlebt.
Ich kann einer bestimmten Begegnung mit einem bestimmten Menschen in nächster Zeit nicht ausweichen. Diese unausweichlichen Begegnungen machen mich wütend, ärgern mich und ich brauche danach immer eine Weile, bis ich wieder entspannt bin.

Bisher hatte ich mich für die Strategie der Akzeptanz entschieden. Ich hatte akzeptiert diese Emotionen über mich und durch mich durch rauschen zu lassen. Direkt nach diesen Begegnungen habe ich einfach fix wen angerufen der mich versteht und mich am Telefon ausgekotzt. Sobald der Ärger-Rausch verflogen und abgebaut war, bin ich einfach wieder zum Tagesgeschäft zurückgekehrt.

Hat bisher sehr gut funktioniert. Eigentlich war damit alles soweit in trockenen Tüchern. Ab und an ein bisschen Ärger, manchmal ein paar Tränen der Wut und nach 20 Minuten wieder „business as usual“.

Bis ich gestern entdeckt habe, wann das nicht funktioniert.

Es gab also wieder diese Situation. Da ich direkt danach eh mit einer Freundin verabredet war, habe ich die Chance genutzt und geschimpft und gezetert und innerlich auf die Uhr geschaut und pünktlich wie immer schien der Ärger nachzulassen und ich dachte wir könnten, wie verabredet, jetzt in die Sauna und entspannen.

Leider war das Entspannen dann doch schwerer als erwartet.
Ich war voller Energie. Ständig sausten mir Gedanken durch den Kopf. Und erstaunlicherweise kamen da sogar sehr gute Ideen bei raus. Nur ich konnte keine davon fassen, weil ich nichts zum Schreiben dabei hatte und auch mein Handy, zum Notizen drauf sprechen, natürlich draußen in der Umkleide lag.

Fazit: nach ärgerlichen Begegnungen kann ich NICHT tiefenentspannen, selbst wenn der Ärger bereits abgebaut ist…

Lösungsidee: da ich mittlerweile einigermaßen voraussehen kann, wann meine unangenehme Begegnung sein werden, kommt hier mein Plan für das nächste Mal: 1.Schritt – wie gehabt – meinem Ärger Luft machen; 2. Schritt – ich nehme mir die Arbeitsinhalte vor, die ich sonst gerne mal vor mir herschiebe.

Mal sehen ob das klappt. 😉
Wobei ich da sehr zuversichtlich bin.
Warum ich das bin?
Ganz einfach.
Weil wir uns eh ständig fehlinterpretieren und uns danach sogar noch für unsere Fehleinschätzung loben. Es gibt gleich mehrere spannende Studien die das belegen, sowohl das „rückblickend-zurecht-loben“, als auch das „situativ-falsch-deuten“ von Gefühlen und emotionalen Entscheidungen.

Die eine Studie ist schon um einiges älter und als „das Brücken-Experiment“ bekannt. Gut zusammengefasst wird sie hier: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2007/05/Liebe-Flirten
In einem Satz kann man die Ergebnisse der Studie so beschreiben:
wir interpretieren offenbar körperliche Ereignisse wie zum Beispiel Herzrasen und schwitzige Hände um zu wissen was mit uns los ist und dabei sind wir nicht besonders treffsicher.
Statt auf Höhenangst zu tippen kann ich mir auch einbilden verknallt zu sein…

Das zweite Experiment ist noch ziemlich jung und spielt auch mit der Frage „wen mögen wir warum“. Die Forscher der Studie haben aufgedeckt, dass wir alle zu „Wahlblindheit“ neigen. Zusammengefasst heisst das, wir beschönigen die Ergebnisse unserer Entscheidungen, selbst wenn wir sie eigentlich doof finden.
Mehr dazu hier https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wahlblindheit und hier https://youtu.be/wRqyw-EwgTk

Wenn ich also eh dazu neige meine vegetativen Reaktionen, also meinen Puls, meine Atmung und meine Durchblutung falsch zu interpretieren, wenn ich das was ich fühle, sehr oft nicht richtig deute, dann müsste ich meine Ärger-Reaktionen doch auch absichtlich so interpretieren können, wie es mir gerade am meisten weiterhilft.

Da ich meinem Ärger leider auch zukünftig nicht werde ausweichen können, würde ich ihn am liebsten produktiv nutzen.
Statt in die Saune zu gehen, werde ich nach der nächsten unausweichlichen und ärgerlichen Begegnung einfach meine Buchhaltung machen, alle Berichte fertig schreiben und meine Vorträge an die nächsten Kunden anpassen.

OK. Es ist bisher nur eine Idee, ein Plan.
Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren und bin gespannt, ob es funktioniert.
Ich halte Dich auf dem Laufenden 😉